21/03/25

STADTTHEATER | URAUFFÜHRUNG

ABO | JTK 14+

Faust. Der Tragödie nächster Fail

von Juli Mahid Carly

Regie Juli Mahid Carly Bühne & Kostüme Sonja Hoyler Dramaturgie Romana Lautner Theaterpädagogik Christin Schmidt
Mit Patrick O. Beck, Julius Engelbach, Sarah Siri Lee König, Mark Harvey Mühlemann, Jonas Pätzold
Dauer ca. 1:40 Stunden, keine Pause

Schule fertig und dann? Zwischen Lektüreschlüsseln, Matheheften und Pastaresten schlittert Heinrich geradewegs in eine Existenzkrise. Die Eltern haben überaus vernünftige Vorstellungen für die Zukunft ihres Sohns, aber der träumt von mehr als einem BWL-Studium in St. Gallen: Er will wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält.

Plötzlich verwandelt sich der plüschige Kuschelhund auf Fausts Kopfkissen in die obskure Lady McFisto. Die durchaus diabolische Rektorin bietet Faust im Tausch gegen  seine Seele einen begehrten Platz an ihrer verwunschenen Hochschule namens F.A.U.S.T.. Dort angekommen trifft er auf das gescheiterte Magier-Duo: Die Unehrlich-Brothers und eine ausrangierte Hörspielhexe. Nach wilden Walpurgisnächten, misslingenden Flirtversuchen und okkulten Ritualen muss Faust feststellen, dass er sich scheinbar an einer Akademie voller Loser befindet. Über allem liegt ein Fluch, nichts will gelingen, hinter jedem Zauberspruch lauert der nächste Fail und nachts lockt obskures Geflüster die mehr oder weniger harmonische 
Gruppe von Schüler*innen in den verbotenen Trakt der Bibliothek. Was zum Teufel hat Lady McFisto dort zu verbergen?

Juli Mahid Carly überschreibt nach der erfolgreichen Produktion „Kabale + Liebe“ erneut eines der bekanntesten  Werke deutscher Dramatik. Johann Wolfgang von Goethes Motive sind Ausgangspunkt einer neuen Erzählung über das Träumen, Zweifeln und Scheitern auf der Suche nach einer eigenen Identität. 

Termine und Tickets

Hier gilt das Kulturticket

Hinweis: Die Buchungen für Schulen sind über unser Online-Formular möglich.

März
Freitag, 21.03.2025 | 20:00 | Tickets (Premiere)
Sonntag, 23.03.2025 | 18:00 | Tickets 
Dienstag, 25.03.2025 | 19:30 | Tickets
Samstag, 29.03.2025 | 20:00 | Tickets
Montag, 31.03.2025 | 10:00 | Anmeldung | Schulvorstellung

April
Dienstag, 01.04.2025 | 20:00 | Tickets
Mittwoch, 02.04.2025 | 15:00 | Tickets*
Donnerstag, 03.04.2025 | 19:30 | Tickets
Freitag, 04.04.2025 | 19:30 | Tickets
Samstag, 05.04.2025 | 20:00 | Tickets
Montag, 07.04.2025 | 10:00 | Anmeldung | Schulvorstellung
Mittwoch, 09.04.2025 | 20:00 | Tickets
Freitag, 11.04.2025 | 19:30 | Tickets
Samstag, 12.04.2025 | 20:00 | Tickets**
Donnerstag, 17.04.2025 | 20:00 | Tickets

*Immer am Mittwoch-Nachmittag: Ermäßigter Preis auf allen Plätzen
**Ermäßigter Eintritt am Theaterspartag

Rund ums Stück

Einführungen durch die Dramaturgin
Sonntag, 23.03.2025 | 17:15 Einführung im Parkett
Dienstag, 25.03.2025 | 18:45 Einführung im Parkett
Samstag, 29.03.2025 | 19:15 Einführung im Parkett
Donnerstag, 03.04.2025 | 18:45 Einführung im Parkett
Mittwoch, 09.04.2025 | 19:15 Einführung im Parkett
Samstag, 12.04.2025 | 19:15 Einführung im Parkett
Donnerstag, 17.04.2025 | 19:15 Einführung im Parkett

pro.log | eine Veranstaltung der Theaterfreunde Konstanz e.V.
Sonntag, 30.03.2025 | 11:00 Uhr | Foyer Stadttheater 
nur Tageskasse vor Ort
Weitere Infos zum pro.log finden Sie hier

Meet & Greet im Anschluss an die Vorstellung
Donnerstag, 17.04.2025 | Stadttheater
Die „Queers & Allies“ vom Theater Konstanz hosten für Euch ein sparkling Nachgespräch zu Drag, queeren Vorbildern,  Sichtbarkeit auf Bühne und Leinwand – bis die Gretchenfrage beim gemeinsamen Cocktail endlich geklärt wird!

Vier Fragen an Regisseur und Autor Juli Mahid Carly

Nach „Kabale + Liebe“ inszenierst du nun schon deine zweite Klassikerüberschreibung hier am Theater Konstanz. Was waren deine ersten Ideen zu „Faust. Der Tragödie nächster Fail“?
 
Juli Mahid Carly: Als ich über Goethes „Faust“ nachgedacht habe, hat mich zuerst die Geschichte des Gelehrten Faust interessiert. Der Mensch, der verzweifelt, weil es so wenig Sinnhaftigkeit gibt in seinem Leben. Daran können junge Zuschauer*innen genau wie ältere gut anknüpfen. Aber die Situation ist besonders nah dran an Menschen, die gerade mit der Schule fertig sind und überlegen, wie es nun weitergehen soll in ihrem Leben. Sie sind im Gegensatz zu früheren Generationen heute mit einem riesigen Überangebot an Möglichkeiten konfrontiert.
 
Gleichzeitig fehlen ihnen klare, gesellschaftlich vorgegebene Lebenszwecke wie „Du musst eine Familie gründen“ oder „Du musst deine Familie ernähren“ etc. Das ist natürlich einerseits etwas Gutes, viele Menschen freuen sich über diese Freiheit. Aber gleichzeitig begegnet uns durch diese Offenheit die Sinnlosigkeit, wie sie Heinrich bei Goethe beschäftigt, viel früher als noch vor einigen Jahrzehnten. Und eben nicht erst als altem Mann. Heinrich ist ja im Original mindestens 60 Jahre alt.
 
Der zweite inhaltliche Anknüpfungspunkt in Goethes Werk war die Gretchentragödie. Darin geht es um eine ganz merkwürdige Form von Liebesbeziehung, in der sich für mich Dinge widerspiegeln, wie „Pickup Artistry“ [Aufreißertum], das Nicht-auf-einer-Wellenlänge-sein, Gaslighting, also Manipulation oder eben schlicht und einfach das Phänomen, dass Menschen Sachen eingeredet werden, an die sie eigentlich gar nicht glauben. Hier werden also sehr gut Elemente sichtbar, die unbedingt verhandelt und reflektiert werden sollten. Über sie wird aber so gut wie gar nicht gesprochen, wenn junge Menschen in der Schule oder im jungen Erwachsenenalter ihre ersten (Liebes-)Erfahrungen machen – weder mit Lehrer*innen noch mit Freund*innen oder Eltern. Ich meine damit gar nicht, dass man auf den Gretchen-Stoff schauen soll, um etwas als richtig oder falsch zu beschreiben, sondern einfach, um problematische Dynamiken zu beobachten und wie schnell sie auftauchen können.
 
Was hat es mit dem Untertitel „Der Tragödie nächster Fail“ auf sich?
 
Juli Mahid Carly: Zunächst einmal wollte ich, dass der neue Titel so ähnlich klingen soll wie das Original: „Der Tragödie erster Teil“. Und dann habe ich im Schreibprozess einfach gemerkt, dass für mich das eine Wort „Fail“ am treffendsten zu den einzelnen Aspekten von Goethes Geschichte passt. Denn eigentlich sind alle Versuche, die Faust mit Mephisto startet, um glücklich zu werden, von vornherein zum Scheitern verurteilt. Er verliert entweder seine Seele oder er wird nicht glücklich. Er kann die Wette nicht gewinnen. Das ist der vorprogrammierte „Fail“ in Goethes Stück – deshalb der Titel. Und auch, weil das „Scheitern“ auch etwas ist, mit dem sich junge Menschen nach der Schule und im frühen Erwachsenenalter beschäftigen müssen. Viele Träume und Ideen platzen, gerade wenn sie hoch angesetzt sind.
 
Was ist für dich in deinem Stück, das sich ja auch weit von Goethes Handlung wegbewegt, der größte „Fail“?
 
Heinrich kommt in meinem Stück an eine Akademie, an der sich auf eine merkwürdige Weise alle Lebensträume und privaten Wünsche auf einmal verwirklichen lassen. Das ist für mich ein ganz typischer „Fail“. Diese romantische Vorstellung, dieses „Ach, ich geh jetzt studieren“ oder „Ich komme auf ein Internat“, die ich auch von mir selbst kenne. Der Irrglaube, man könne sich dort neu erfinden, jemand anderes sein, extrem viel lernen, alle Talente entfalten, viele neue Leute kennen lernen, sich glücklich verlieben etc. Das ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt!
 
Was ist dir am Stück besonders wichtig?
 
Eine bestimmte Form queer-feministischer Haltung einfach in ein Stück zu implementieren, ohne es explizit zum Thema des Theaterabends zu machen. Wir sagen: Das ist jetzt das neue Normal – auf dieser Bühne, für die nächsten eineinhalb Stunden. Und alle Menschen im Raum akzeptieren das. Niemand stellt es in Frage. Warum auch? Wir erzählen ja einfach nur eine Geschichte mit typisch menschlichen Problemen. Dass das hier in Konstanz mit dem „Faust“ und mit diesem Ensemble möglich ist, schätze ich sehr.
 
Romana Lautner führte das Gespräch mit Juli Mahid Carly am 7. März 2025. Das ausführliche Interview, an dem auch Ausstatterin Sonja Hoyler beteiligt war, lesen Sie im Programmheft zur Produktion, erhältlich an unserem KulturKiosk und beim Einlass im Theater.

Pressestimmen

Wie Stückautor und Regisseur Juli Mahid Carly dieses faustische Scheitern an den teuflischen Versprechungen des Kapitalismus zeichnet: Das ist in seinem Wortwitz und seiner grellen Bildhaftigkeit leidlich unterhaltsam. Vor allem darstellerisch überzeugt der Abend mit Julius Engelbach als verführbarer Abiturient, Patrick O. Beck mit lustvoll diabolischer Aura und Sarah Siri Lee König als widerborstiger Bibi-Blocksberg-Verschnitt.

Johannes Bruggaier, Südkurier, 24.03.25


Das Stück ist vordergründig eine Persiflage auf Goethes «Faust I». Tatsächlich ist es jedoch eine Trash-Revue mit fünf Protagonisten, die von allem ein bisschen sind – Männer, Frauen und sämtliche Schattierungen dazwischen. Mal fühlt man sich in ein Cabaret der Goldenen Zwanziger versetzt, dann in eine Reality-Show des Klamaukfernsehens oder in eine veritable Tragödie. (…)
Der Schauspieler Patrick O. Beck interpretiert die Rolle des modernen Mephisto grossartig – mal bedrohlich, mal ekelhaft oder einfach charmant und liebenswürdig. (…)
Juli Mahid Carly setzt mit seiner Regie auf eine schrille, packende Show ohne Längen. Beleuchtung und Bühnenbild sind grell, berühren sämtliche Sinne.

Rolf Hürzeler, St. Galler Tagblatt, 26.03.2025

Audioeinführung von Dramaturgin Romana Lautner

Content Note

Das Team des Theater Konstanz setzt immer wieder einen Schwerpunkt auf aktuelle Stoffe und Stücke zeitgenössischer Autor*innen. Das Verhandeln von gesellschaftlichen Konflikten ist uns wichtig und kann erlebbar machen, dass und wie unsere Wirklichkeit gemacht, hergestellt – und deswegen auch veränderbar ist. Diese Auseinandersetzung mit konfliktreichen Themen auf einer sinnlichen, gespielten Ebene kann und möchte bewegen.

Je nach persönlicher Sensibilisierung können solche Auseinandersetzungen als (zu) schmerzhaft empfunden werden. Im Sinne einer transparenten Kommunikation und im Bewusstsein darüber, dass Stückinhalte aufgrund von individuellen Erfahrungen verschieden erlebt werden, gibt es hier zusätzliche Informationen über Inhalte, die wir als sensibel einstufen. Diese Hinweise zu sensiblen Inhalten – auch Content Notes – weisen darauf hin, dass bestimmte Themen auf der Bühne verhandelt werden, die starke Reaktionen auslösen können. Ein Kritikpunkt an Content Notes ist, dass sie Teile der Inszenierung vorwegnehmen können. Im Sinne einer selbstbestimmten Entscheidung wird es im Folgenden jeder und jedem Einzelnen überlassen, die inhaltlichen Hinweise zu lesen oder nicht.

Faust. Der Tragödie nächster Fail Content Note:
 
In der Inszenierung gibt es an mehreren Stellen kurze Stroboskoplicht-Effekte (Blitz und Donner). Es werden die Themen ungewollte Schwangerschaft, Schwangerschaftsabbruch und Kindsmord verbal verhandelt.

Theater Konstanz
Foto: Ilja Mess
Theater Konstanz
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