30/01/26
STADTTHEATER
ABO
Macbeth
von Heiner Müller, nach William Shakespeare
Regie Abdullah Maria Karaca Bühne & Kostüme Elena Scheicher Musikalische Leitung Lutz Gallmeister
Dramaturgie Hauke Pockrandt
Mit Patrick O. Beck, Zoubeida Ben Salah, Jasper Diedrichsen, Thomas Fritz Jung, Sylvana Schneider
Drei rätselhafte Hexenwesen prophezeien dem schottischen Feldherrn Macbeth die Königskrone. Eben erst hat Macbeth im Kampf die Verräter besiegt, die sich gegen König Duncan aufgelehnt haben. Macbeth erschrickt, als er zum ersten Mal den Gedanken fasst, den Weg vor sich sieht, der ihn auf den Thron bringt kann: Mord. Doch die Aussicht auf die Krone hat etwas in Macbeth verändert. Gier und das Verlangen nach Macht haben sich in seinem Kopf festgesetzt. Bestärkt durch seine Gattin, Lady Macbeth, sind bald alle Skrupel beiseite geräumt und das mörderische Paar schreitet zur Tat.
Der Mord an Duncan setzt das Fanal für ein unaufhörliches Töten, das nicht nur zahlreiche menschliche Opfer fordert, sondern auch die Liebenden voneinander entfremdet und jede Tugend entwertet. Als Herrscher ist Macbeth menschlich isoliert, wittert immerfort Verrat und kennt nur die Herrschaft durch Gewalt und Angst.
Obwohl Heiner Müller Shakespeares Vorlage als Dramatiker weitgehend treu bleibt, tritt in seiner Bearbeitung deutlich das Geschichtsbild eines politischen Denkers hervor. Während Shakespeare in Macbeth vor allem die psychologische Tragödie eines Einzelnen entfaltet und Schuld, Verführung und Schicksal in den Mittelpunkt rückt, verschiebt Heiner Müller den Fokus auf die Mechanik der politischen Gewalt. Schonungslos und sprachgewaltig beschreibt er Macht nicht als Verfehlung eines Individuums, sondern als deterministischen Prozess: Macht entsteht aus Gewalt, erhält sich durch Gewalt und hinterlässt nichts als Trümmer.
Nach Stücken wie „State of the Union“ und “Zur schönen Aussicht“ kehrt Regisseur Abdullah Maria Karaca zurück ans Theater Konstanz und legt das Grauen und die Abgründe der Tyrannentragödie frei.